Rechts

Ord.Nr.: 10.977
Kat.Nr.: 2008-46

Auf den Leuchttisch legen

Dame mit Gitarre

um 1760
kreisrund: 5.10 cm x 0.00 cm
vergoldeter Metallreif

Eine junge Dame mit grau gepuderter Lockenperücke ist vor einer offenen Landschaft dargestellt. Wenige Bäume am linken und rechten Bildrand geben den Blick auf den blauen Himmel frei. Die Porträtierte sitzt auf einem grün gepolsterten Stuhl. Ihr dunkelrosafarbenes Kleid zeugt von Wohlhabenheit und Eleganz: Üppige Spitzen zieren die halblangen Ärmel, unter denen weitere weiße Spitzen mit mehreren Volants hervorschauen. Rosafarbene Rosen sind in das Haar gesteckt und korrespondieren mit einem Sträußchen Rosen am Dekolleté der Dame sowie dem rosafarbenen Spitzenhalsband.
Das Instrument, das die Dame spielt, ist ein Vorläufer der erst im 19. Jahrhundert voll entwickelten Konzertgitarre. Seit 1600 waren verschiedene Instrumente dieser Art, die die komplizierter zu spielende Laute ablösten, in Gebrauch. Im 17. und 18. Jahrhundert entstanden zahlreiche Kompositionen für das noch fünfsaitige Instrument, das kleiner und schmaler als die spätere Gitarre war. Die fünf Saiten waren doppelt angelegt, woraus sich die zehn Wirbel bei dem abgebildeten Instrument erklären.
Ob die Dame das Instrument wirklich spielt oder ob es hier nur ihren Kunstsinn versinnbildlichen soll, bleibt offen. Die manieriert wirkende Haltung der linken Hand entspricht dem höfischen Repertoire von Handgesten, wäre jedoch zum Spielen ungeeignet gewesen.

J.S.O.