Rechts

Ord.Nr.: 10.450
Kat.Nr.: 2008-49

Auf den Leuchttisch legen

Dame als Pomona

um 1730
oval: 6.00 cm x 7.90 cm
fischhautbezogenes Metalletui

Die Werke von Andrew Benjamin Lens weisen viel Ähnlichkeit mit denen seines Vaters, Benjamin Lens des Jüngeren, auf. 1 Die Wiedergabe einer Dame als Pomona war eine beliebte allegorische Darstellung im 18. Jahrhundert, die auf eine Geschichte aus Ovids Metamorphosen zurückgeht. 2 Pomona, die Göttin der Früchte, der Obstbäume und der Gärten, war so sehr von der Pflege ihres Gartens erfüllt, dass sie für ihre zahlreichen Bewerber unnahbar blieb. Allein Vertumnus gelang es, sie zu erobern, indem er sich ihr in Gestalt einer Greisin näherte, die Vertumnus' Vorzüge so sehr pries, dass sein Lob die Liebe Pomonas für ihn entzündete. Gern nutzten Miniaturisten die damals geläufige Geschichte, um die Schönheit, verbunden mit tugendhaftiger Standhaftigkeit, der Porträtierten zu betonen. Die selbstbewusste und zugleich abwägende Haltung der Dame unterstreicht, dass sie nicht leicht zu erringen sei. Darauf verweist auch der auffällige Ohrring: Die Perle ist Symbol für Jungfräulichkeit oder Keuschheit. 3 In ihrem Arm hält sie in bewusstem Gegensatz dazu ein prall mit Obst und Blumen bestücktes Füllhorn, ein Sinnbild für Fruchtbarkeit, Reichtum und Überfluß.

J. S. O.


1 Vgl. Kat.-Nr. 2008-50 und 51.

2 Man vergleiche z. B. die Darstellung des Themas durch Anton van Dyck (Galleria di Palazzo Bianco in Genua) oder von Nicolas de Largillière (Gemäldegalerie Alte Meister, Dresden). In der Sammlung Tansey vgl. Otten, Pappe, Schmieglitz-Otten 2000, Kat.-Nr. 83 und Kat.-Nr. 88.

3 Für ihren Hinweis danke ich Kathrin Umbach, Kassel.