Dame in weißem Kleid mit Fliederblüte
Der in den 1780er Jahren in Paris lebende Genfer Miniaturist Louis Sené verließ um 1789 - wohl aus politischen Gründen - die französische Hauptstadt und kehrte in seine Heimatstadt Genf zurück. 1792 zog er wieder nach Paris, und vermutlich hier entstand wenige Jahre später das reizvolle Porträt der Dame mit Fliederblüte. 1 Sené malte das Modell wie alle Miniaturisten in einem Innenraum. Aus einem Repertoire an Hintergründen wählte er einen Park mit hohen Bäumen und plazierte den Kopf so, daß er von freiem Himmel umgeben ist, was der Dame eine gewisse Erhabenheit verleiht. 2 Obwohl der Künstler in seinen Bildnissen häufig auch die Hände abbildete, wirken diese oft etwas ungelenk und erstaunen durch zu kleine Ausmaße. Die malerische Qualität der Büste, der Kleider und Hintergrunddetails lassen jedoch über diesen Mangel hinwegsehen und reihen Sené durchaus unter die besten Miniaturmaler seiner Zeit ein.
B.P.
1 Sené brachte es in den darauffolgenden Jahren im Unterschied zu vielen anderen Malern angeblich zu einem gewissen Wohlstand. Vgl. Genoud 1999, S. 19 und 34.2 Vgl. ähnlich konzipierte Werke Senés in Kat.-Nr. 2005-134 und 2005-135.




