Dame in weißem Kleid mit gelbem Schal
In der um 1796 gemalten Miniatur ließ sich die Dame, ganz ähnlich wie jene in Kat.-Nr. 2005-132, in der luftigen Frische eines Parks darstellen. Im Unterschied zu jener trägt diese aber ihr Haar nun ungepudert und in frei fallenden langen Locken. Daß selbst diese vordergründig angestrebte Natürlichkeit ihren von der Mode diktierten Aufwand forderte, zeigen die in doppelten Spiralen gedrehten Haarlocken, die das weiße Haarband ornamental überspannen. Das beinahe durchsichtige Tüllkleid war zwar auch eine Reverenz an einfache Naturverbundenheit, viel stärker aber doch erotisches Raffinement. Obwohl in der Darstellung mit Kat.-Nr. 2005-132 vergleichbar, zeigt die vorliegende Miniatur maltechnische Unterschiede: Der Himmel ist nicht in der in Frankreich bis dahin üblichen Gouachetechnik gemalt, sondern in hellem Aquarell. Dies spiegelt die generelle Tendenz französischer Miniaturisten am Ende des Jahrhunderts wider, in lichten Bildpartien das Elfenbein nach englischem Vorbild durchscheinen zu lassen. Die Miniaturen büßten dadurch ihre samtene und pudrige Wirkung ein. Sie wurden statt dessen kontrastreicher und härter, entsprachen aber anscheinend mehr dem Geschmack ihrer Zeit.
B.P.




