Dame an Liebesaltar
In Senés Miniaturen verraten Darstellungsweise oder Accessoires häufig etwas über die Interessen des Modells oder über das Motiv, das zur Herstellung der Miniatur geführt hat. 1 Im Bildnis der Dame vor einem brennenden Altar wird deutlich, daß die junge Frau das Miniaturbild von sich malen ließ, um es ihrem Geliebten schenken zu können. Das Feuer auf dem Altar versinnbildlicht die Flammen der Hoffnung, was der beigefügte Text zusätzlich verdeutlicht: »Süße Erinnerung, hilf mir zu hoffen«. 2 Die unordentliche Frisur und die leichte Kleidung verraten den erotischen Beiklang.
Wenngleich Sené seine Modelle beinahe immer mit derselben Kopfstellung und bei gleichbleibender Beleuchtung malte, war er doch sehr erfinderisch in der Wahl der Posen. Oft stellte er die Modelle bis auf Bauchhöhe dar und scheute sich nicht vor der schwierigen Aufgabe, Hände zu malen.
B.P.
1 Eine reiche Auswahl von Miniaturen Senés konnte anläßlich der Ausstellung »100 ans de miniatures suisses, 1780-1880« 1999-2000 im Historischen Museum Lausanne verglichen werden. Die »Dame an Liebesaltar« wird in der begleitenden Publikation um 1780 datiert, dürfte aber erst um 1794 entstanden sein. Vgl. Genoud 1999, S. 34.
2 »Doux souvenir tien[s] moi lieu d' espéranc[e]«.




