Louise Herminie Mutel
Dame in weißem Kleid
Sanftheit und Anmut sind im Bildnis der Dame mit den schön gedrehten und weich schimmernden Zapfenlocken die primären Ausdruckswerte. Die ungekünstelte Pose und der scheu dem Betrachter zugewandte Kopf mit den leicht von unten her aufschauenden Augen verdeutlichen diese Wirkung ebenso sehr wie die symbolischen Farben Weiß und Blau. Daß dennoch kein langweilig süßes und letztlich unpersönliches Frauenbildnis entstand, sondern ein kraftvolles Porträt mit individuellem Ausdruck, verdankte Mutel wohl dem Studium bei Lizinka de Mirbel. Beide Miniaturistinnen suchten in ihren Porträts die persönlichen Gesichtszüge ihrer Modelle einzufangen und durch Anmut und Sanftheit zu bereichern.
Die hier gewählte Pose ist in Mutels Werk häufig zu finden; der Körper ist bis zu den Hüften in leichter Schrägstellung dargestellt, und der Kopf blickt zum Bildbetrachter hin. Die für die Entstehungszeit der Miniatur untypische Frisur der Dame nimmt eine bereits im ausgehenden 17. Jahrhundert modische Haartracht wieder auf und war ab der Mitte der dreißiger Jahre in Frankreich beliebt. In den vierziger Jahren allerdings verschwanden die Locken mehr und mehr, das Haar wurde glatt gekämmt und in der Höhe der Ohren zum Kopf hin eingedreht und fixiert. 1
B. P.
1 Vgl. das Damenbildnis Kat.-Nr. 2002-86 von Meuret.
