Rechts

Ord.Nr.: 10.498
Kat.Nr.: 2002-77

Auf den Leuchttisch legen

Dame in schwarzem Kleid mit weißer Halskrause

1821
kreisrund: 7.80 cm x 0.00 cm
vergoldeter Metallreif

Kaum ein Miniaturist hat bei fast durchgängig gleichbleibender Pose und Beleuchtung des Modells eine derartige Vielfalt an interessanten Porträts geschaffen wie Machéra. Vor neutraltonigem Grund in Gouachefarben ist das Modell leicht schräggestellt und blickt den Betrachter mit zu ihm gewandtem Gesicht, aber nicht frontal an. Diese seit dem Beginn der Porträtmalerei bis heute beliebte Standardpose akzentuiert formale Ruhe und Konzentration auf die Gesichtszüge des Modells. Der verblüffende Reichtum an unter-schiedlichen Menschentypen in Machéras Porträts läßt vermuten, daß der Künstler es tatsächlich schaffte, das Modell in seiner "Wirklichkeit" einzufangen. Solch unmittelbare, ungeschminkte Direktheit war allerdings im 19. Jahrhundert keineswegs der Geschmack der Damenwelt. "Männer sollten so gemalt werden, wie sie sind, Frauen so, wie sie sein möchten oder sein könnten", bestimmte Mirbel 1829. 1 Es erstaunt daher nicht, daß Damenbildnisse im Oeuvre Machéras im Vergleich mit den Herrenbildnissen in deutlich geringerer Anzahl auftauchen. Der heutige Betrachter mag dies bedauern, denn ihn berührt ein wirklichkeitsnah empfundenes Abbild einer Frau genauso wie jenes eines Mannes, und er verzichtet zugunsten von feinen Nuancierungen im Gesicht gerne auf neckische Posen und üppige Accessoires.

B. P.


1 Mirbel, 1829, S. 91-92.