Peter Mayr
Kaiserin Marie Louise von Frankreich (1791-1847)
Diese in mehreren Wiederholungen bekannte Miniatur Mayrs zeigt Marie-Louise (1791-1847), die älteste Tochter Kaisers Franz I.(II.) und dessen zweiter Gemahlin Marie-Therese von Sizilien. 1 Obwohl Marie-Louise aufgrund der politischen Verhältnisse in einem Umfeld aufwuchs, das Napoleon in höchstem Grad feindlich gesonnen war, mußte sie im Alter von 18 Jahren auf Drängen Metternichs den Erzfeind der Familie heiraten und wurde dessen zweite Gemahlin. Ein Jahr darauf brachte sie einen Sohn, den späteren Herzog von Reichstadt, zur Welt. Nach der Absetzung Napoleons kehrte Marie-Louise nach Wien zurück und übernahm 1816 die Regierung der ihr 1815 übertragenen Herzogtümer Parma, Piacenza und Guastella. Dort lebte sie zuerst mit Graf Adalbert von Neipperg zusammen und heiratete schließlich, nach dessen Tod, 1834 Charles-René Graf de Bombelles. Marie-Louise starb im Alter von 56 Jahren in Parma.
Auf dem Weg von Wien nach Paris, wo die Vermählung mit Napoleon am 1. April 1810 in einer eigens dafür eingerichteten Kapelle des Louvre stattfand, hielt sich Marie-Louise am 19. März nachweislich in Augsburg auf 2 . Nach eigenen Angaben malte Peter Mayr das Bildnis der Kaiserin anläßlich dieses Aufenthaltes. Obwohl ein Vergleich mit anderen Bildnissen der Kaiserin aus dem selben Jahr nur wenig Ähnlich-keit aufweist, bestätigen Ort und Datum, die der Signatur beigefügt sind, die Identität der Dargestellten. 3
D. O.
1 Ein zweites, sehr ähnliches Porträt befindet sich in den Kunstsammlungen der Stadt Augsburg: Für ihren Hinweis sei Gode Kramer, Kunst-sammlungen Augsburg, gedankt. Eine dritte Replik ist bei Schidlof abgebildet: Schidlof 1964, Tafel 393, Abbildung Nr. 802. Sie wurde am 29. März 2002 unter der Nummer 74 bei Drouot, Paris, verkauft.
2 Siehe Seida und Landesberg 1826, S. 394-395. Für seinen Hinweis sei Georg Feuerer, Stadtarchiv Augsburg, gedankt.
3 Vgl. die Porträtminiatur von J. B. Isabey, 1810, und das Porträt in Öl von F. Gérard, 1810, abgebildet in: Bourgoing 1949, nach S.160 und S. 224. Vgl. auch die Porträts von Marie-Louise in Keil 1999, Abb. 462u. 463.
