C.H.N. Oppermann
Junge lesende Dame in weißem Empirekleid
In klaren, kühlen und stark kontrastierenden Farben malte der deutsche Miniaturist Oppermann das Portrait dieser Dame, die in einem Park sitzend sich der Lektüre widmet. Sie schaut vom Buch auf und dreht den Kopf anmutig zum Betrachter, ein ganz leichtes Lächeln umspielt ihren Mund. Die Verhaltenheit der Miniatur wird von den bemerkenswert fein gearbeiteten Details noch unterstützt: Die Bäume am Flußufer sind nicht summarisch, sondern in kleinsten Farb-flecken für jedes Blatt gemalt. In der Behandlung von Haut und Kleid sind einzelne Striche oder Pünktchen kaum auszumachen. Die feine Schattierung und der samtene Schimmer der Haut sowie die Falten des Kleides wirken in ihrer Zartheit sehr naturalistisch.
Die meisterhafte Beherrschung der Maltechnik verschaffte Oppermann Zugang zu höchsten Adelskreisen des zaristischen Rußland, wohin er 1807 auswanderte. In Deutschland selber war die Auftragslage trotz zunehmender Beliebtheit von Portraitminiaturen schlecht, weshalb viele deutsche Miniaturisten ihre Heimat verließen, um in London, Paris oder anderen großen Kunstzentren zu arbeiten.
