Rechts

Ord.Nr.: 11.065
Kat.Nr.: 2005-110

Auf den Leuchttisch legen

Herr in braunem Rock

um 1795
kreisrund: 3.80 cm x 0.00 cm
späterer vergoldeter Metallreif

Das Bildnis eines Herrn in einem Rund von nur knapp vier Zentimetern Durchmesser ist, obwohl unsigniert, ohne Zweifel ein Werk Périns. Der gekonnte Auftrag der Gouachefarbe in Haar, Kleidung und Hintergrund zeigt unverwechselbar seine Handschrift. Häufig wiederholte Charakteristiken in Périns Werken sind außerdem die angedeutete Buschstaffage und der Gesichtstyp mit den in die Augen gesenkten Lidern und dem verhaltenen Lächeln. Das Rund des Augapfels ist bei Périn zudem meistens sehr plastisch hervorgehoben und kugelartig schattiert.
In der Sammlung Tansey ist dies vermutlich die späteste der Miniaturen Périns aus der Revolutionszeit. Sein Sohn berichtete, daß Périn in Paris zwar auch während der Revolutionsjahre ein beliebter Miniaturist war, daß den zweifachen Vater das instabile Künstlerleben jedoch sehr verunsicherte. Er verließ deshalb die Hauptstadt 1799 und kehrte in seine Heimatstadt Reims zurück. 1 Hier widmete er sich in erster Linie der Herstellung von Wollgeweben, malte aber angeblich
noch etliche Porträts in Miniatur und im Großformat. 2

B.P.


1 Im Unterschied zu Augustin und Isabey, die in den 1790er Jahren bereits zahlreiche Schüler unterrichteten, schien Périn diese Art des zusätzlichen Gelderwerbs abzulehnen. Daniel Saint, einer der bedeutendsten Miniaturisten des 19. Jahrhunderts, wurde jedenfalls abgewiesen. Saint studierte deshalb zuerst vermutlich bei Augustin und anschliessend bei Isabey. Vgl. Périn 1844, S. 264-267.

2 Tatsächlich kennt man nur sehr wenige Miniaturen Périns aus der Zeit nach 1800. Vgl. ein um 1800 entstandenes Selbstbildnis in Öl auf Leinwand (Cleveland Museum of Art), ein Mädchenbildnis aus derselben Zeit (Sammlung Tansey, Ordn.-Nr. 10.551), ein um 1810 gemaltes Damenbildnis (Auktionshaus Drouot, Paris, 9.2.1977, Nr.112) und das Porträt eines Knaben von 1816 (Sotheby' s London, 6.3.1997, Nr.19).