Dame in weißem Kleid vor wolkigem Himmel
Emanuel Peter gilt als der beste Schüler Daffingers, und dieses Porträt einer nicht mehr jungen Frau beweist sowohl sein hohes künstlerisches Niveau als auch den Einfluß des Lehrers. Ähnlich wie Daffinger zeigt sich Peter als guter Kolorist: Die rosige Gesichtsfarbe und die roten Lippen bilden einen frischen Gegensatz zum Grau des Himmels, der direkt neben der linken Wange blau durchscheint. Im Gegensatz zu Daffinger aber wertete Peter sein Modell in diesem Bildnis nicht mit Accessoires auf, sondern malte die Dame ungeschönt und mit den ersten Anzeichen des Alterns. Der Orden, den die Dame an einem schwarzen Band auf ihrer linken Schulter trägt, ist vermutlich der Sternkreuzorden, einer der wenigen an Frauen verliehenen Orden. Er wurde am 3. Mai 1668 von Eleonore de Gonzaga, Witwe Kaiser Ferdinands III., im Gedenken an eine Kreuzesreliquie aus dem Besitz der Habsburger gestiftet. Die Ordensprotektorin war die jeweilige Kaiserin oder eine von ihr bestimmte Erzherzogin, die allein über die Aufnahme neuer Kandidatinnen bestimmte. Der Orden war ausschließlich für hochadlige Damen bestimmt, die ihre Herkunft mit Familienwappen und Stammbaum bis zu acht Vorfahren belegen mußten. Da das Ordenszeichen im Laufe der Jahrhunderte markante Ver-änderungen erfahren hat, ist es nicht einfach, die Darstellung auf der Miniatur eindeutig zu bestimmen, doch das schwarze Band, die Befestigung auf der linken Seite, die ovale Form und das blaue Kreuz sind deutliche Charakteristika des Sternkreuzordens. 1
D. O.
1 Für die ordenspezifischen Nachforschungen sei Alexander Guano, Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, Innsbruck, gedankt.
