Christian van Pol
Blumenstillleben
Vergleich mit anderen Blumenstilleben¹ steht hier weniger überquellende Fülle allein als vielmehr der Kontrast von Pracht und nahendem Ende der Blüten im Zentrum. Dieser Eindruck wird durch die auf den Frühling verweisende Blumenauswahl mit Primeln und Pfingstrosen einerseits und durch die schweren, bereits hängenden und schon leicht im Welken begriffenen Pfingstrosen und Kastanienblätter andererseits hervorgerufen. Der Kontrast von Werden und Vergehen ist ein zentrales Thema der Vanitas-Stilleben des 17. Jahrhunderts und wird hier von van Pol aufgegriffen, obwohl der dekorative Zweck der Malerei primär ist. Während die schweren Blüten im Vordergrund welken, recken im Hintergrund schon die anmutigen Knospen und Blüten des wenig später blühenden Mohns ihre Köpfe empor.
Der Reiz von Fixé-Miniaturen besteht in der vollständigen Sättigung der Farben durch die Verklebung am bombierten Deckglas. Die maltechnische Quellenliteratur erwähnt, daß die Malerei in Ölfarben auf einem feinen Gewebe unter einer dünnen Wasserschicht (!) auszuführen sei. Dies sollte vermutlich eine gute Verbindung zwischen Ölfarbe und wässrigem Klebstoff bewirken.
¹ Vgl. Kat.-Nr. 2000-14, 2000- 71 und 2000-75 sowie vom gleichen Künstler Kat.-Nr. 2000-58 und 2000-59 in "Miniaturen aus der Sammlung Tansey".


