Pauline Augustin, geborene Du Cruet
Augustin heiratete am 8. Juli 1800 seine um 22 Jahre jüngere Schülerin Pauline Ducruet. Pauline gelang es, Maltechnik und Stil ihres Mannes in verblüffender Weise nachzuahmen. Die lebendige Intensität des Gesichts, die den Porträts von Augustin zu eigen ist und die zugleich als ein Qualitätsmerkmal seiner Miniaturen bezeichnet werden kann, fehlt in ihrem Werk allerdings; die Porträts Paulines wirken eher süßlicher.
Der Arbeitsaufwand beim Malen einer großformatigen Miniatur in Augustins Feinmalweise war enorm hoch und erforderte viel Geduld und Ausdauer. 1 Augustins erste Miniatur größeren Formats ist sein berühmtes Selbstbildnis von 1796, darauf folgten die Porträts der Bildhauer Callamard, 1801, und Chaudet, 1804. Nach dem Bildnis seiner Frau von 1808 malte Augustin erst wieder 1819 ein besonders aufwendiges Großformat, nämlich Thomas Weld mit Tochter. Seine ungemein feine Malweise in großen wie in kleinen Miniaturen stieß bei einigen Zeitgenossen auf Unverständnis, 2 und sie wurde nach Augustins Tod nicht mehr praktiziert. Das vorliegende Bildnis von Pauline Augustin ist ebenfalls auf einem Aquarell des Künstlers von etwa 1820, das sein Atelier zeigt, zu sehen. Die Miniatur ist dort, wie die anderen Werke auch, klein und nur angedeutet wiedergegeben, doch stimmen die Silhouette der Dame und die Sterne auf dem Rahmen überein. Die Miniatur blieb zeitlebens im Besitz der Dargestellten und befand sich auch um die Mitte des 20. Jahrhunderts noch im Besitz ihrer Familie, da sie nicht, wie die meisten Miniaturen des Künstlers, nach dessen Tod in die Versteigerung seines Nachlasses gelangte.
B. P.
1 Die aufwendige Bildträgervorbereitung ist mit Skizze erläutert in: Otten, Pappe, Schmieglitz-Otten, 2000, S. 20.
2 So beispielsweise beim englischen Miniaturisten Andrew Robertson. Robertson 1897, S. 245.








