Domenico (Gian Domenico oder Giovanni Domenico) Bossi
Christina Johanna Bielker
Die sehr qualitätvolle Miniatur zeigt eine zwar namentlich bekannte, bisher aber nicht näher identifizierte ältere Dame, vermutlich bürgerlicher Herkunft. 1 Die Kleidung ist schlicht; über dem schwarzen Kleid mit weißem Spitzenbesatz an der Brust trägt die Porträtierte ein weißes Tuch, das sogenannte Fichu, das Schulter und Brust bedeckt und dessen lange Schalenden hier unter der Brust zusammengebunden sind. 2 Einziger Schmuck ist eine zweireihige Perlenkette.
Das sich von dem Dunkel des Hintergrundes abhebende Porträt strahlt Ruhe und Würde aus. Diese Wirkung ist charakteristisch für die Bildnisse von Bossi, der durch starke Licht- Schatten-Kontraste und durch eine große Meisterschaft der Inkarnatdarstellung die Körperlichkeit seiner Modelle betonte.
Zumeist haftet den von Bossi Porträtierten ein leicht überheblich wirkender Zug an, der daher rührt, daß er sie immer auf den Bildbetrachter herabblicken läßt. Das Kolorit ist in kräftigen und warmen Tönen gehalten.
J.S.O.
1 Der Name weist auf eine skandinavische, möglicherweise dänische Abstammung hin. Da das Bildnis um 1794 zu datieren ist, malte es Bossi vermutlich in Hamburg, wo sich der Künstler von 1794 bis 1796 aufhielt. Das Königreich Dänemark umfaßte im 18. Jahrhundert auch die Herzogtümer Schleswig und Holstein, d.h. das gesamte nordelbische Gebiet stand unter dänischer Hoheit. Hamburg lag also unmittelbar ander Grenze zum dänischen Königreich.
2 Schwarze und Sieveking 1976, S.50.





