Jean Pierre Frédéric Barrois
Dame in braunem Kleid vor antikisierender Landschaft
Barrois gehört zu jenen Miniaturisten, die sich nicht scheuten, Pose und Hintergrund für jedes Modell individuell auszusuchen, um eine möglichst große Vielfalt im Ausdruck zu erreichen. Dadurch gelang ihm eine über die formale Abbildung hinausgehende Interpretation des Modells. Das vorliegende Bildnis ist diesbezüglich ein charakteristisches Werk des Künstlers. Die entgegengesetzte Haltung von Körper und Kopf sorgt für kompositionelle Spannung. Die Tracht der Dame läßt eine lokale Kleidungstradition vermuten und deutet zusammen mit den klassischen Bauelementen im Vordergrund und dem Tempel im Hintergrund rechts darauf hin, daß Barrois das Bildnis in Italien ansiedelte. Dieser Hinweis soll als eine tatsächliche oder imaginäre Verwandtschaft zwischen der Dargestellten und dem zu ihrer Zeit idealisierten Land gelesen werden.
Obwohl Barrois ein Schüler Fontallards war, zeigen seine Werke direkten Einfluß von Augustin, und man kann davon ausgehen, daß er dessen Miniaturen studierte und übungshalber kopierte. 1 Barrois' Selbstbildnis, ein Meisterwerk psychologischen Ausdrucks, zeigt einen jungen Mann voller Energie und Willenskraft. 2
B. P.
1 Eine offensichtliche Kopie von Barrois nach Augustin von 1811, angeblich ein Selbstbildnis Augustins, befindet sich im Musée Pierre Noël in Saint-Dié-des-Vosges.
2 Abgebildet bei Schidlof 1964, Bd. 3, Tafel 35.
