Boquet
Dame mit Rosen im Haar
Liebesgott und Rosen machen in dem unkonventionellen Damenbildnis deutlich, daß die Miniatur als Erinnerungsbild für einen Geliebten gedacht war. Die Kulisse eines geheimnisvoll abgedunkelten Winkels in einem Park soll vermutlich Erinnerungen an Momente gemeinsamen Glücks wachrufen, und das Spiel der Finger der Dame gehört zur stummen Sprache von Verliebten: Die Dame legt den Zeigefinger der rechten Hand über den kleinen Finger der linken und beschreibt so ein Kreuz. Ein gegenseitig gegebenes Versprechen
wird dadurch besiegelt und durch die im Bildnis dargestellte Geste in Erinnerung gerufen. Die Bildsprache wird vom »drohenden Amor« weitergeführt: Den Finger am Mund, fordert er zu Verschwiegenheit auf. 1
Wer der mit Boquet signierende Miniaturist war, bleibt immer noch verworren: Schidlof betrachtet eine Mlle Boquet als mögliche Schöpferin. 2 Diese Künstlerin war angeblich allerdings bereits unter Ludwig XV. als Miniaturmalerin erfolgreich, die bekannten Miniaturen wurden aber alle erst nach 1785 gemalt. Die Miniaturistin Anne-Rosalie Boquet kommt ebenfalls nicht in Frage, weil sie 1794 hingerichtet wurde. Im Livret des Pariser Salons von 1793 stellte ein nicht näher identifizierter Boquet eine Anzahl Miniaturen aus, der
zeitlich als Autor der Werkgruppe eher in Frage kommt. 3 Lemoine-Bouchard nimmt deshalb an, daß Jean-Alexandre Boquet (1752-1828) die Miniaturen gemalt hat. 4 In Frage käme aber auch dessen Bruder Pierre-Jean (1750-1817), der als Landschaftsmaler, Miniaturist und Stecher wirkte.
B.P.
1 Die Amorstatue wurde nach der berühmten Marmorfigur »L' Amour menaçant« von Falconet gemalt, die im Pariser Salon 1757 ausgestellt wurde und großes Aufsehen erregte. Die Skulptur, auch »Garde à vous, soyez discret« genannt, wurde von etlichen Malern in Gemälden abgebildet, so beispielsweise von Vanloo, Roslin, Heinsius und Boilly. Vgl. Réau 1922, S.183191.2 Schidlof 1964, Bd.1, S.101. Eine hier aufgeführte Miniatur von 1793/94 ist angeblich mit »Mlle Boquet« signiert.3 Salon 1793, Nr.31. Da Frauen im Salon-Ausstellungsführer generell als solche betitelt wurden, ist es wahrscheinlicher, daß die Miniaturen von einem Mann gemalt wurden.4 Lemoine-Bouchard 2002, S.254255.
