Daniel Bruyninx
Dame mit Blumenstrauß
Eine junge Dame steht an einem Tisch und entnimmt einem Korb mit Blumen ein Sträußchen mit verschiedenfarbigen Blüten. Ihr Blick ist zum Betrachter gerichtet, und es entsteht der Eindruck, als seien die Blumen für ihn bestimmt. Die Darstellung ist mit großem Können arrangiert und harmonisch in das liegende Rechteck gesetzt. 1 Das Blau des Kleides gewinnt vor dem Hintergrund aus stumpfem Graubraun an Leuchtkraft, und das zurückhaltende Lächeln der Dame verleiht dem Bildnis viel Anmut. Meisterschaft legt der Künstler auch in der Wiedergabe von Blumenkorb und Bouquet an den Tag, die als kleine Stillleben den Blick anziehen.
Daniel Bruyninx war der originellste Miniaturmaler Hollands im dritten Viertel des 18. Jahrhunderts. Seine transparente Malweise, die mit recht breiten und flinken Pinselschlägen das Wesentliche des Bildes einfängt und Details nur summarisch wiedergibt, zeugt von großem Talent. Feines Pointillé lehnte der Künstler ab. Die dadurch entstandene Flächigkeit, worin die Linien der Vorzeichnung in grauem Stift deutlich sichtbar sind, überzeugt durch ihre Spontaneität und ihre Frische.
B. P.
1 Querrechteckige Miniaturen sind im Werk Bruyninx' selten. Eine vergleichbare, 1755 gemalte Miniatur zeigt eine junge Künstlerin an einem Tischchen beim Aquarellieren (Historisches Museum Rotterdam). Wie auch sein holländischer Berufskollege Marinkelle (vgl. Kat.-Nr. 2008-54) malte Bruyninx seine Miniaturporträts in den 1750er Jahren noch auf Pergament, wechselte später aber auf Elfenbein, das für die Wiedergabe der Haut aufgrund seiner Glätte und leichten Transparenz besser geeignet war.
