Rechts

Ord.Nr.: 10.142
Kat.Nr.: 2002-29

Auf den Leuchttisch legen

Dame in braunem Kleid mit Taschenuhr

1833
rechteckig: 12.30 cm x 9.80 cm
vergoldener Metallpassepartout in neuem Metallrahmen

Frederick Cruickshank war ein Schüler von Andrew Robertson (1777-1845), dem innovativsten Miniaturmaler Englands im frühen 19. Jahrhundert. Er arbeitete in Schottland, beschickte aber seit 1822 verschiedene Institutionen in England mit seinen Miniaturen. Die Zuschreibung unsignierter Stücke ist zuweilen schwierig, da Cruickshank die Technik seines Lehrers während seiner gesamten Schaffensphase hervorragend imitierte. Das mit 1833 datierte Porträt der Sammlung Tansey zeigt Cruickshanks ausgeprägten Geschmack an besonders effektvollen Bildnissen mit oft exzen-trischem Gesichtsausdruck.

Die Malweise dieses Miniaturisten ist typisch englisch: Im Gegensatz zur kontinentalen Miniaturmalerei war die akribische, feine Stricheltechnik in England nicht sehr beliebt. Vielmehr setzte sich eine Malweise durch, die von einem raschen und breiten Pinselstrich und leuchtenden Farben charakterisiert ist, wodurch das Porträt eher einer lebensnahen Momentaufnahme gleicht.

Mit recht flüssiger Farbe malte Cruickshank in breit angelegter Weise die Kleidung und setzte kontrastreiche Farben ein, um die Wirkung des Lichts als belebendes Element auszunutzen. Aus dem Kontrast zwischen dem leuchtenden Vordergrund und dem fast schwarzen Hintergrund ergibt sich eine besondere Spannung. Darüber hinaus setzte Cruickshank, wie in England nicht ungewöhnlich, sehr viel Gummiarabikum ein, um den Farben mehr Tiefe zu verleihen. Dieses technische Raffinement macht den Reiz des Bildnisses ebenso aus wie die einladende Pose des Modells mit offenen Armen und leicht geneigtem Kopf.

D. O.