Rechts

Ord.Nr.: 10.152
Kat.Nr.: 2005-29

Auf den Leuchttisch legen

Dame in weißem Kleid mit blauen Schleifen

um 1790
kreisrund: 7.80 cm x 0.00 cm
späterer vergoldeter Metallreif

Chasselat malte die Dame in weißem Kleid mit blauen Bändern als etwa 40jähriger Künstler. Er hatte nun die sehr feine Malweise der etwas affektierten Porträts seiner jüngeren Jahre abgelegt und sich stärker der Malweise des schwedischen, aber in Paris lebenden Miniaturisten Pierre Adolphe Hall zugewandt. Chasselats Miniaturen dieser Periode sind von Werken Halls manchmal kaum zu unterscheiden, seine Modelle besitzen als Eigenart aber dunkel konturierte, seitlich auffallend nach unten hängende Wimpern und einen Mund mit kleinen, stark nach oben geschwungenen Mundwinkeln.
In dieser Schaffensperiode gehörte Chasselat zu der Gruppe Miniaturisten, die den typisch französischen Miniaturmalstil des späten 18.Jahrhunderts prägten: Diese von Hall bereits in den 1770er Jahren maßgeblich beeinflußte Malweise setzte den Akzent auf eine breite, impressionistisch anmutende Gouachemalerei in Hintergrund und Kleidung und - im Kontrast dazu - auf transparent und sehr fein gemalte Inkarnate. Die Dargestellten heben sich in hellen, leuchtenden Farben vor dunklem bräunlichen oder graugrünen Hintergrund ab, der durch seine wilde Struktur buschiges Parkgelände
andeuten soll. Der Reiz der Bildnisse besteht nicht in erster Linie in der Wiedergabe der individuellen Physiognomie, sondern in den optischen Effekten glänzender Seide, transparenter Spitzen und changierender Gewebe.

B.P.