Dame in weißem Kleid mit Perlen- und Blumenschmuck
Der im vorliegenden Damenporträt repräsentierte Typus des "portrait en pleine parade" wurde von Daffinger und seinen Zeitgenossen üblicherweise nur für Angehörige bedeutender Adelsfamilien verwendet. Die Bereicherung eines Porträts mit Accessoires war nicht allein vom Gestaltungswillen des Künstlers abhängig, sondern mehr noch von der gesellschaftlichen Stellung des Modells und dessen Wunsch nach Repräsentation. Immer wieder erstaunt es, wie es Daffinger gelang, trotz einer Fülle dekorativer Elemente die einzelnen Komponenten des Porträts im Gleichgewicht zu halten. Dies erreichte er hier vor allem durch einen wirkungsvollen Einsatz von Farbe und Licht, mit dem er den Blick des Betrachters lenkte. Auch Vorder- und Hintergrund des Bildes werden durch die farbliche Gestaltung zusammengehalten: Der bräunliche Farbton der halbverdeckten Wand und der rote Vorhang korrespondieren mit dem Hautton und unterstützen ihren Eindruck von Wärme und Weichheit. Die Zartheit der Schulter- und Nackenpartie betonte Daffinger, indem er sie nicht mit klarer Kontur wiedergab, sondern den unmittelbaren Anschluß des Hintergrundes farblich heller gestaltete. So entsteht - vor allem im Zusammenspiel mit dem grauen Schatten - der Eindruck einfallenden Tageslichts, das die Haut zum Schimmern bringt. Einen ähnlichen atmo-sphärischen Effekt erzielte Daffinger durch die von oben beleuchtete Blumenvase.
D. O.




