Joseph Deranton
Dame in blau-braun gestreiftem Kleid
Ruhig und gelassen schaut die Dame auf dieser Miniatur Derantons den Betrachter an. Das aus dem Gesicht gekämmte Haar, die ausdrucksstarken, ein wenig resigniert blickenden Augen unter schweren Lidern und kräftigen Brauen, die in umschattete Mundwinkel auslaufenden Lippen sowie die Betonung der Backenknochen geben dem Gesicht einen markanten und ein wenig herben Ausdruck.
Derantons Stil ist sachlich, die Porträtierte wirkt natürlich und ungekünstelt.
Über dem gestreiften Kleid trägt die Dame ein unter der Brust gekreuztes durchscheinendes Tuch, das in zarten hellen Streifen das Muster des Kleides aufnimmt. Das Haar ihrer Perücke ist nach der Art des »Herisson-Stils« frisiert, wie er in seiner strengen Form Anfang der 1780er Jahre aufkam. Hierbei wurde das Oberhaar in Hunderten von kleinen Locken halbmondförmig über den Kopf gelegt und fiel in breiteren Lockenrollen, die Ohren bedeckend, seitlich herunter. Jede einzelne Locke dieser sehr aufwendigen Frisur mußte einzeln papillotiert werden. 1
J.S.O.
1 Vgl. Jedding-Gesterling 1990, S. 144ff.


