Joseph Franz, Freiherr von Goez
Dame in weißem Kleid vor Parklandschaft
Vor einer nur angedeuteten Parklandschaft nach französischem Vorbild in braunen und blauen Tönen porträtierte der in Wien, München, Augsburg und ab 1791 in Regensburg tätige Miniaturist Goez die Dame in weißem Kleid. Während der Oberkörper im Profil zu sehen ist, ließ sie der Maler den Kopf dem Betrachter zuwenden und zeigte sie in leichter Untersicht. In Verbindung mit der hochgezogenen linken Augenbraue und dem ihr leicht folgenden linken Mundwinkel gibt dies dem klugen und ernsten Gesicht einen Ausdruck verhalten-spöttischer Überlegenheit.
Im Gegensatz zu der distanziert wirkenden Dame steht das Spiel des Malers mit dem zarten, kunstvoll drapierten Stoff des Kleides, des Fichu und des in die Frisur gewundenen Tuches. Ein hauchdünner Schleier, der vom aufgesteckten Kopftuch herabfällt, löst sich beinahe im Bildhintergrund auf. Als Schmuck sind einige kleine rote und blaue Blüten in das Haar eingebunden. Das Brusttuch ist zur sogenannten Trompeuse aufgebauscht. 1
J.S.O.
1 »Mit ihren Fichus treiben unsere Eleganten ihr Modewesen auf mancherlei Art; einige bauen sie noch völlig als ein Trompeusen-Gebirge, das seine geheimen Schätze verschließt [...], auf«. Journal des Luxus und der Moden, 18. Juli 1791, zitiert nach Bringemeier 1981, S. 177.
