Herr in braunem Rock
Dubois zeigt in diesem Herrenbildnis von etwa 1795 eindrücklich, daß er die malerische, auf optische Effekte konzentrierte Auffassung eines Bildnisses, wie sie vom einflußreichen Miniaturisten Hall vertreten wurde, ablehnte und statt dessen eine klare Komposition mit präzise gegeneinander abgegrenzten Bildpartien bevorzugte. Das Porträt eines unbekannten Herrn in braunem Mantel ist schlicht und natürlich konzipiert und verzichtet gänzlich auf schmückendes Dekor; es wirkt aber dennoch sehr lebendig und warm. 1 Der Physiognomie des Herrn wurde im Sinne des »echten Porträts« große Aufmerksamkeit geschenkt, und das Gesicht istnuancenreich modelliert. Der Blick trifft beinahe frontal den des Betrachters, und es entsteht eine stumme Kommunikation.
Die sehr stark seitlich gewählte Lichtquelle beschattet eine große Partie der linken Gesichtshälfte des Herrn und steigert dadurch die Plastizität des Dargestellten. Unverwechselbar im Werk von Dubois ist die Pinselstruktur im Gesicht: Unter der Lupe ist ein regelmäßiges Nebeneinander diagonal von rechts oben nach links unten verlaufender Linien erkennbar.
B.P.
1 Ein bezüglich Pose und Kleidung sehr ähnliches Herrenbildnis von Dubois, etwa zur gleichen Zeit gemalt, befindet sich im Musée des Beaux-Arts, Dijon.



