Rechts

Ord.Nr.: 10.209
Kat.Nr.: 2005-45

Auf den Leuchttisch legen

Herr in braunem Rock

um 1794
kreisrund: 6.80 cm x 0.00 cm
Goldreif auf Schildpattdose

Ein junger Mann, bekleidet mit braunem Frack, weißer Weste und weißem Hemd mit Jabot - einer Krause aus Batist mit Spitzenbesatz, die den Verschluß des Hemdes kaschieren soll -, schaut den Betrachter selbstbewußt an. Das hoch gewickelte Halstuch wird von einem blau-weiß gestreiften, zu einer Schleife gebundenen Band gehalten. Körperhaltung und Blick des Porträtierten drücken Selbstsicherheit und Stolz aus. Die Augenpartie mit den hohen, geschwungenen und langgezogenen Brauen und den mandelförmigen Augen mit tiefliegendem Oberlid findet sich ähnlich auch auf weiteren Miniaturen dieses Künstlers wieder (vgl. Kat.-Nr. 2005-44 und 2005-46). Das halblange Haar trägt der Porträtierte offen und natürlich, die Koteletten sind lang gewachsen.
Das Tragen von gepuderten Perücken war bei Männern schon vor 1789 rückläufig gewesen, während der Revolution erhielt es jedoch eine politische Bedeutung. Die Haartracht wurde wie die Kleidung zum Zeichen der persönlichen Einstellung. Puder, Perücke und Zopf galten als Symbole des verhaßten Absolutismus. Mit zunehmender Macht der Jakobiner hätte das öffentliche Tragen eines Zopfes dessen Träger sogar in Lebensgefahr bringen können, so daß es zur Entstehungszeit der Miniatur nicht ratsam gewesen wäre, sich noch mit diesem Attribut der alten Ordnung zu zeigen.

J.S.O.