Rechts

Ord.Nr.: 10.215
Kat.Nr.: 2005-42

Auf den Leuchttisch legen

Dame mit turtelnden Tauben

nach 1788
kreisrund: 7.30 cm x 0.00 cm
vergoldeter Metallreif

Dubourg gehört zu den bedeutendsten französischen Miniaturisten. In qualitativer und in stilistischer Hinsicht kommen seine Arbeiten oftmals denen seines Vetters Augustin gleich. Charakteristisch für viele seiner Modelle ist die markante und ausdrucksstarke Darstellung der Augenpartie. 1
Die hier porträtierte Dame ist vor einer Waldlandschaft wiedergegeben; ihr linker Arm stützt sich auf ein Podest, 2 auf dem zwei Tauben miteinander turteln. 3 Sie trägt ein weißes Chemisenkleid mit hellblauem Gürtel - auf dem sich als Schmuck möglicherweise zwei Wedgwoodmedaillons befinden - und blauer Randverzierung an Dekolleté und Arm.
Der blaue Farbton wird noch einmal in dem das üppige lockige Haar zusammenhaltenden und an der Seite frei fallenden Band aufgenommen. Auch wenn der linke Arm der Dargestellten anatomisch nicht völlig richtig wiedergegeben ist, so ist doch der Gesamteindruck der Miniatur, die als Geschenk an einen geliebten Mann entstanden sein mag, überzeugend: Das Modell wirkt ungekünstelt und entspannt, der Blick ist auf den Betrachter gerichtet, nicht herausfordernd kokett, sondern zurückhaltend und voll liebender Erwartung. Dem Liebesmotiv der turtelnden Tauben wird hierdurch tieferer Ernst verliehen.

J.S.O.


1 Das Oberlid ist weit in die Iris gesenkt, und die Wimpern sind am äußeren Rand des Auges tief heruntergezogen. Vgl. z.B. Kat.-Nr. 2005-47 und in: Otten, Pappe, Schmieglitz-Otten 2000, Kat.-Nr. 2000-21.

2 Diese Pose findet sich ebenfalls häufig auf Werken Augustins. Eine Miniatur von Augustin, datiert 1788, zeigt eine andere Dame in genau derselben Haltung und mit identischem Kleid (Privatbesitz).

3 Dubourg hat hier mit Bedacht die kleinwüchsige Türkentaube gewählt, deren sichelförmiges dunkles Nackenband - hier blau wiedergegeben - auf das engste mit der Kleidung der Dame harmoniert.