Dame in gestreiftem Kleid vor klassizistischer Gartenarchitektur
Dubourg wählte häufig Landschaften als Hintergrund seiner Miniaturen. Hier stellte er sein Modell, eine Dame in braunblau
gestreiftem Kleid, dessen tiefes Dekolleté von einem durchscheinenden Schleier eingefaßt ist, vor eine Gartenlandschaft mit klassizistischen Architekturelementen. Eine Säule sowie im Hintergrund eine Ringkolonnade weisen auf die für die ganze zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts charakteristische Rückbesinnung auf die Antike hin. Auslösend hierfür hatten unter anderem die Ausgrabungen von Herkulaneum (1738) und Pompeji (1768) sowie die Schriften von Johann Joachim Winckelmann gewirkt.
Die Porträtierte trägt ihr natürliches, gelocktes Haar ungepudert und offen, der Mode entsprechend ist es mit einem farbigen Band zusammengehalten. Hier kommt eine am Ende des 18. Jahrhunderts sich durchsetzende neue Tendenz zum Ausdruck: Während über Jahrhunderte hinweg die junge Generation sich nach dem Vorbild der Erwachsenen und deren wechselnden Moden kleidete, verkehrten sich nun die Verhältnisse, und die Modeführung wurde der Jugend zugesprochen. So schreibt der Pariser Korrespondent des »Journals des Luxus und der Moden« bereits 1790, daß die Damen das »gelockte Haar à l' enfant mit einem bloßen Bande zusammengebunden«trügen. 1 Schlichtheit, Natürlichkeit und Praktikabilität der sich soeben erst herausbildenden eigenen Kinderkleidung wurden zum Leitbild auch der Erwachsenenmode.
J.S.O.
1 Journal des Luxus und der Moden, 1790, zitiert nach Bringemeier 1981, S. 38.







