Rechts

Ord.Nr.: 10.229
Kat.Nr.: 2005-48

Auf den Leuchttisch legen

Mlle de Malesherbes in weißem Kleid mit Perlenschmuck

um 1795
kreisrund: 6.20 cm x 0.00 cm
vergoldeter Metallreif

Vor einer üppigen, in zarten Türkistönen gehaltenen Waldlandschaft porträtierte Dubourg die junge adlige Dame in weißem Chemisenkleid, das von einem blauen, unter der Brust zu einer Schleife gebundenen Band umgürtet wird. Das zarte Kleid sowie die Farbigkeit und die verschwimmende, fließende Gestaltung des Hintergrundes geben der Dame etwas nahezu Nymphenhaftes, wozu auch der auffällige Perlenschmuck im Haar und am rechten Oberarm paßt.
Die Rezeption antiker Vorbilder in der Mode war in den 1790er Jahren auf ihrem Höhepunkt angelangt. Galten das offen getragene Haar und das antikisierende leichte Hemdkleid, die »Chemise à la grecque«, die den Körper frei und ohne inengendes Korsett zeigte, zunächst als Ausdruck des neuen Freiheitsbewußtseins und revolutionärer Ideale, so wurden sie - in gemäßigter Form - seit der Mitte der 1790er Jahre zum modischen Standard. Das weiße Chemisenkleid aus Baumwolle bzw. Musselin wurde führend in der Damenmode und zum Ball- oder Festkleid der jungen Damen schlechthin, seien sie adliger oder bürgerlicher Herkunft.
Damit war die frühere Aufgliederung der Mode nach der Garniturenrangordnung aufgehoben, die Vorschriften über die zu bestimmten Anlässen zu tragenden Kleider, Stoffe und Farben machte. 1

J.S.O.


1 Über das Ende der Vielfalt und der Eleganz der Pariser Damenmode beklagte sich der Korrespondent des Journals des Luxus und der Moden am 19. Januar 1793: »Der ganze Habit ist nur von Cotton und sonst gieng die Pariserin in Seide!!«. Vgl. Bringemeier 1981, S. 230.