Antoine Vestier
Herr in grünem Rock und bestickter gelber Weste
Das Bildnis eines unbekannten Herrn in grünem Rock zeigt Vestiers weichen Malstil mit kontrastlosen, aber äußerst fein nuancierten Farbharmonien und das charakteristische, ins Grünliche neigende Inkarnatskolorit. Der Gesichtsausdruck mit dem angedeuteten Lächeln strahlt - wie in den meisten Porträts Vestiers - Sensibilität und vornehme Kultiviertheit aus.
Die Miniatur entstand in einer für den Künstler wirtschaftlich schwierigen Zeit. »Das wenige was ich jetzt verdiene, reicht gerade, von einem Tag zum andern zu leben […]. Ich male für mich, - es wird sich verkaufen, wann es halt kann«, schrieb der Künstler 1791. 1 Der Maler gehörte zu denjenigen Künstlern, die durch den Ausbruch der Französischen Revolution ihre aristokratische Auftraggeberschaft verloren hatten und diese nicht durch neue Kunden ersetzen konnten.
Vestier hatte sich unter der Herrschaft Ludwigs XVI. als Miniaturist, vor allem aber als Maler von Staffeleiporträts einen Namen gemacht und 1786 die Aufnahme in die Königliche Akademie erreicht. Tatsächlich beherrschte er sein Metier meisterhaft. Seine Kompositionen sind einfallsreich, seine Zeichnung ist sicher, die Darstellung der verschiedenen Materialien überaus gekonnt, und in der Wiedergabe verschiedener Textilien war Vestier kaum zu übertreffen. Der Künstler verlieh den Modellen im Bild überdies viel Anmut und Weichheit. Die Porträts entsprachen dadurch zwar dem Geschmack des Pariser Adels des Ancien Régime, trugen dem Maler aber die Ablehnung und teilweise harten Urteile der Salonkritiker der Revolutionszeit ein. 2
B.P.
1 Vgl. Passez 1973, S. 51. Der Brief datiert vom 4. Februar 1791.2 Vgl. Passez 1973, S. 56.
