Christian Friedrich Zincke
Catherine Edwin
Dieses Damenbildnis Zinckes - als einzige Miniatur dieses Künstlers in der Sammlung Tansey rückseitig signiert - wurde 1723 gemalt und stellt Catherine Edwin dar. 1 Sie trägt ihr ungepudertes Haar in englischer Manier nach hinten gekämmt, wo es in langen Strähnen auf Schulter und Rücken fällt. Im Unterschied zu Zinckes Herrenbildnissen, die eher nüchtern gehalten sind, nimmt diese Dame eine manierierte Rokokopose ein: entgegengesetzte Wendung von Kopf und Körper mit Blickkontakt zum Bildbetrachter.
Im Kontrast zu dieser kokett wirkenden Haltung trägt die Dame keinerlei Schmuck und verzichtet auch auf Zierrat an ihrem Kleid. Seine leuchtende Farbe und der seidene Schimmer kommen dadurch umso wirkungsvoller zur Geltung. Die durch große Licht-Schatten-Kontraste erzeugte Plastizität im Bildnis wird durch das fein abgestufte Hell-Dunkel des Hintergrunds noch gesteigert. An die Schattenseite des Gesichts grenzt der hellste Bereich des Hintergrunds; dadurch hebt sich das Gesicht deutlich davor ab.
Der aus Dresden stammende Emailmaler erlernte zunächst das Handwerk seines Vaters, der Goldschmied war, und ging später beim Porträtmaler Heinrich-Christoph Fehling in die Lehre. 1705 siedelte er nach London über, wo er sich bei Charles Boit in der Emailmalerei spezialisierte. Bald darauf machte sich Zincke selbständig und wurde einer der beliebtesten Porträtisten des englischen Adels. Ein in den 1720er Jahren auftretendes Augenleiden führte dazu, dass er die Arbeit an seinen Aufträgen vermehrt seinen Mitarbeitern überließ, zu denen auch sein Landsmann Jeremiah Meyer gehörte (vgl. Kat.-Nr. 2008- 64 und 2008-65).
B.P.
1 Die weite Verbreitung des Namens machte ihre genaue Identifikation bisher nicht möglich. Möglicherweise ist sie die Tochter des Bradshaw of Haigh Hall, Wigan, und heiratete einen gewissen Charles Edwin, von dem Zincke ebenfalls 1723 ein Emailbildnis malte. Vgl. Sotheby' s London, 19. Dezember 1977, Nr. 25.




