William Wood
Dame in weißem Kleid mit blauem Gürtel
William Wood, einer der brillantesten englischen Miniaturisten des ausgehenden 18. Jahrhunderts, ist in der Sammlung Tansey mit dem Bildnis einer jungen Dame vertreten. Wood wählte dafür eine Pose mit aus dem Bildfeld weg gerichtetem Blick, wodurch die Dargestellte selbstbewußt und unabhängig erscheint. Der undeutlich angelegte Wolkenhimmel im Hintergrund suggeriert gedankliche Freiheit und sphärische Weite, eine Art Losgelöstheit von irdischer Gebundenheit. 1
Wood malte, wie seinen Aufzeichnungen aus den Jahren 1790 bis 1808 entnommen werden kann, im Laufe seiner künstlerischen Tätigkeit über 1200 Miniaturporträts. 2 Er eignete sich eine Maltechnik an, die die Ähnlichkeit des Modells in raschen, aber sicheren Strichen und mit wenigen Farben wiedergab. Kleidung und Haar wurden nur summarisch, aber äußerst wirkungsvoll gemalt. Dadurch waren seine Miniaturen nicht nur erheblich rascher vollendet als etwa jene französischer Miniaturisten, sondern erhielten durch die schwungvoll gesetzten Pinselschläge eine faszinierende Leichtigkeit.
B.P.
1 Wolkenhimmel als Hintergrund von Porträtminiaturen waren im England der 1790er Jahre überaus beliebt. Vgl. Kat.-Nr. 2005-31, 2005-33, 2005-114 und 2005-159.
2 Das dreibändige Manuskript (National Art Library, London) enthält Namen und Adressen von Woods Modellen, die Daten der Fertigstellung der Werke, Preise und maltechnische Besonderheiten. Es stellt ein überaus wertvolles Dokument zum Studium des OEuvres Woods dar.
