Rechts

Ord.Nr.: 10.737
Kat.Nr.: 2005-143

Auf den Leuchttisch legen

Dame in weißem Kleid mit rotem Schal

1795
kreisrund: 6.50 cm x 0.00 cm
vergoldeter Metallreif

Vor blaugrauem Hintergrund, der sich im unteren Bereich verdunkelt und damit die Tiefe einer entfernten Landschaft andeutet, porträtierte Taubert eine junge Dame im Halbprofil. Ihr Kopf ist dem Betrachter zugewandt, ihre Augen schauen jedoch an ihm vorbei in die Ferne. Die beiden übereinandergefalteten Hände umfassen das Ende eines roten langen Schals, den sie locker unterhalb von Schultern und Brust umgelegt hat. Diese »Langschals« konnten bis zu viereinhalb Meter lang und anderthalb Meter breit sein und waren über den zarten und durchscheinenden Stoffen der Directoire-und Empirezeit als wärmendes Kleidungsstück unentbehrlich.
Hier diente der Schal dem Miniaturisten zugleich als farbiger Kontrast und der Fall seines Stoffes sowie der Faltenwurf als auflockerndes Bildelement. Möglicherweise hielt der Maler das Kleidungsstück als Requisit in seinem Atelier vor. 1
Auffällig ist der hart gesetzte Schatten, der sich mit klar erkennbarer Kontur am unteren Teil des Armes, der Schulter und am Rücken abhebt. Mit der starken Trennung der beleuchteten von den unbeleuchteten Bildpartien lenkte Taubert den Blick des Betrachters auf das zart und differenziert wiedergegebene Kolorit von Gesicht und Dekolleté der Porträtierten. 2

J. S. O.


1 So taucht der rote Schal auf einer weiteren Miniatur von Taubert in der Sammlung Tansey auf, vgl. Kat.-Nr. 2005-144. Auch der Miniaturist Charles Hénard nutzte gern die Wirkung des farbigen Schals in seinen Werken. Vgl. hierzu Kat.-Nr. 2005-73 und 2005-74.

2 Die Beleuchtung der rechten Körperseite der Dame ergab sich aus der charakteristischen Plazierung des Modells dem Miniaturisten gegenüber, in der Nähe eines Fensters. Der Maler benötigte den Lichteinfall von der linken Seite, um mit seiner rechten Hand keinen Schatten auf den Malgrund zu werfen. Siehe auch B. Pappe, »Kunst und Können in der Miniaturmalerei« in: Otten, Pappe, Schmieglitz-Otten 2000, S. 17- 27, hier S. 17f.