Johann Julius Heinsius
Mädchen als Bacchantin
Die Miniatur von Johann Julius Heinsius 1 ist ein gutes Beispiel dafür, wie ausgewählte Themen der Antike, die seit der Renaissance von Künstlern aufgegriffen wurden, dazu dienten, erotischen Darstellungen zumindest vordergründig einen anderen Charakter zu geben. 2 Gezeigt ist eine junge Dame, deren Arme, Schultern und Brust entblößt sind. Ihr linker Arm ist um den Hals einer antiken Statue, vermutlich Pan darstellend, geschlungen, mit der rechten Hand bekränzt sie diese mit Weinranken. Zwar wendet sich die Dame der nach links geneigten Statue zu, ein wirklich harmonisches Zusammenspiel stellt sich jedoch nicht ein.
Der griechische Hirtengott Pan wurde ziegenbeinig und mit Bockshörnern dargestellt. Sein Instrument, die Panflöte, geht auf eine Nymphe namens Syrinx zurück, deren Stimme er nachahmen wollte, indem er die Halme des Schilfrohrs aneinanderband und darauf musizierte. Da der Name Pan auch «alles« bedeutet, wurde seine Gestalt zum Inbegriff der allumfassenden Natur.
J.S.O.
1 Zur Identität des Malers Johann Julius Heinsius vgl. Kat.-Nr. 2005-72. Dieselbe Darstellung von einem unbekannten Miniaturmaler, aus der Sammlung Albert Jaffé, wurde verkauft bei Heberle/Lempertz, Köln, 27-30. März 1905, Nr. 372.
2 Vgl. Horky 2003, S. 9ff.

