Dame in weißem Kleid
Eine junge Dame in weißem, tief dekolletiertem Kleid sitzt vor einer hellen Wand, die links im Vordergrund durch grünes Blattwerk und im Hintergrund rechts durch eine Fensternische, die den Blick auf ein Gehölz freigibt, gegliedert und aufgelockert wird. Die Darstellung reicht bis zum Schoß. Ihre Beine hat die Porträtierte offenbar übereinandergeschlagen, die beiden verschränkten Arme ruhen auf dem rechten Oberschenkel. Die meisterhaft gemalten und natürlich wirkenden Hände sind an den jeweils anderen Arm gelegt.
Das dunkelbraune, gelockte lange Haar bildet einen farblichen Kontrast zu dem hellen Kleid. Die Augen liegen tief mit einer Betonung der äußeren Winkel.
Shelley benutzte hier die für ihn typische gelb-grünliche Farbpalette zur Wiedergabe des Hauttones. Wie viele englische Miniaturisten des späten 18. Jahrhunderts legte auch Shelley über dunklere Bildpartien eine Schicht Bindemittel und sättigte dadurch die Farben. Matt belassene Partien wie die Lichter des Kleides leuchten daraus besonders hell hervor.
Shelley signierte häufig auf der Rückseite der Miniatur, wo er - wie im vorliegenden Beispiel - auch seine Adresse vermerkte.
J. S. O.
