Jüngling in dunkelblauer Uniform
Suchy malte das Bildnis eines unbekannten uniformierten Knaben in auffälliger Untersicht und in soldatischer Haltung. Der wolkige Abendhimmel im Hintergrund trägt zu der heroisierenden Wirkung des Porträts bei. Der stolz wirkende junge Mann war sich offensichtlich darüber im Klaren, daß mit dem Eintritt in die Militärakademie seine gesellschaftliche Initiation begonnen hatte. 1
Seit den theresianischen Reformen erhielten die Söhne des Adels eine Offiziersausbildung. Das Eintrittsalter der Zöglinge betrug seit 1806 zehn bis zwölf Jahre, was dem Alter des Dargestellten ungefähr entspricht.
Adalbert Suchy entwickelte sich nach seinem Studium an der Wiener Akademie zu einem gesuchten Porträtminiaturisten für den Adel und das Kaiserhaus. Seine Arbeiten sind im Inkarnat häufig mit kräftigem Karminrosa koloriert. Der Wolkenhimmel verrät den Einfluß Isabeys. Dies läßt vermuten, daß die Miniatur nach dem Wiener Kongreß entstanden ist, denn erst seit dieser Zeit wurden seine Werke in Wien öffentlich ausgestellt.
D. O.
1 Die Uniform ist nicht eindeutig zuzuordnen, möglicherweise gehörte der Zögling zu den Infanterie-Kadetten. Allerdings waren diese nicht - wie der Dargestellte - mit einem Degen bewaffnet. Vgl.: Ledermayer, 1973, Einleitung.

