Virginie Hue de Bréval
Mädchen in Wolkengebilde
Als Virginie Hue de Bréval dieses Bildnis eines unbekannten Mädchens malte, war sie bereits seit mehreren Jahren Schülerin Augustins, 1 und die Künstlerin hatte inzwischen Gelegenheit gehabt, das Gelernte durch Übung zu verinnerlichen und zu perfektionieren. Das Studium der Miniaturen des großen Lehrmeisters ist im Werk der Schülerin deutlich spürbar: Augen und Mund sind scharf gezeichnet, die Oberlider sind wellenförmig akzentuiert und senken sich vornehm in die Augen herab, der Mund zeigt die für Augustin charakteristischen schmalen und seitlich nach oben geschwungenen Ecken, und die Pinselstruktur im Inkarnat ist äußerst fein. Lichteinfall und Kopfstellung des Modells sind typisch für die Porträts dieser Künstlerin und gehen ebenfalls auf das Vorbild Augustins zurück. Die Einbettung des Bildnisses in Wolkengebilde will hier wohl nicht Abwesenheit und Tod andeuten, sondern eher auf die Erinnerung an einen fernen Menschen hinweisen.
B. P.
1 Augustin vermerkte in seinem Schülerverzeichnis den Eintritt vom Mlle Hue de Bréval zwischen 1806 und 1808, und erneut 1809/1810. "Carnet vert", Louvre, S. 35r und 36r.
