Rechts

Ord.Nr.: 11.178
Kat.Nr.: 2008-73

Auf den Leuchttisch legen

Dame in weißem Kleid mit rotem Umhang

um 1730
oval: 4.60 cm x 3.90 cm
vergoldeter Silberrahmen

Dieses Emailbildnis wurde vermutlich von Jean-André Rouquet (1701-1758) gemalt. Es zeigt in der Pose und in der distanzierten, nüchternen Darstellungsweise große Ähnlichkeit mit den Porträts aus seiner Londoner Zeit. 1 Die auf Rot- und Blautöne reduzierte Farbpalette erhöht die kühle und statische Wirkung der Dame und verleiht ihr eine Reserviertheit, die man in zahlreichen englischen Porträts der Zeit antrifft.
Rouquet stammte aus einer von Frankreich in die Schweiz emigrierten Protestantenfamilie. Um 1725 wechselte er von Genf nach London und hatte dort mit seinen sehr fein und ausdrucksstark gemalten Emailporträts großen Erfolg. Um 1750 zog der Künstler nach Paris, wo er in die Königliche Kunstakademie aufgenommen wurde und sogar ein Atelier im Louvre erhielt. Eine geistige Krankheit verschlechterte aber seinen Gesundheitszustand so sehr, dass er in ein Asyl überwiesen werden musste, wo er 1758 starb.
Die Schwierigkeiten der Emailmalerei bestanden unter anderem darin, dass sich die Farben während der verschiedenen Brennvorgänge veränderten und nicht alle zu ihrer Festigung dieselbe Temperatur benötigten oder ertrugen. In einem Traktat von 1765 heißt es deshalb, dass der Emailmaler eigentlich mit zwei Paletten malen müsse: mit einer wirklichen und einer in seinem Kopf. 2
B.P.


1 Vgl. beispielsweise sein Porträt der Charlotte, Baronin de Ferrers und Compton, in sehr ähnlicher Darstellungsweise (Foskett 1987, S. 172, Tafel Nr. 13 g).

2 Arclais de Montamy 1765, S. XXXIX.