Duc
Henriette Marie Laurence de Najac, geborene Leconte
Der Miniaturist Duc ist bisher in der Literatur unbekannt geblieben. Sein Porträt der Mme de Najac 1 ist - wenn auch nicht alle Partien der Miniatur von gleicher Qualität sind - eine ungewöhnlich eigenwillige Darstellung. Alles konzentriert sich auf das Gesicht mit den wachen Augen und dem erwartungsvoll-verhaltenen Ausdruck, wodurch auch die ein wenig ungelenke Wiedergabe der Arme in den Hintergrund rückt. Gesicht und Physiognomie der Porträtierten vermitteln - im Gegensatz zu ihrer Bezeichnung als verheiratete Frau - einen eher kindlichen Eindruck. Ungewöhnlich ist die Pose der Dame, die so gewählt ist, daß die Dargestellte sich in das Rund der Miniatur hineinschmiegt: Möglicherweise hat sie sich vorgebeugt und die Arme über einer Stuhllehne verschränkt.
Henriette Marie Laurence Leconte (1770-1794) heiratete 1788 Benoît Georges de Najac, einen in der Marine tätigen Beamten, der Ende 1793 - dem ersten Jahr der Schreckensherrschaft der Jakobiner - zu Gefängnishaft verurteilt wurde. Während seiner Haft brachte sie ihr drittes Kind, Hippolyte, zur Welt und starb einen Monat darauf, am 8. 4.1794. So könnte die Miniatur angefertigt worden sein, um ihrem inhaftierten Mann Trost zu spenden. Die ungewöhnliche Pose der Porträtierten mag im Zusammenhang mit ihrer Bettlägerigkeit stehen.
J.S.O.
1 Laut einer rückseitigen Inschrift handelt es sich bei der Porträtierten um die Urgroßmutter eines Raoul de Najac, wodurch die Identifizierung der Dame möglich wurde. Ihr Sohn Hippolyte de Najac war der Großvater von Raoul Charles Eugène de Najac (18561915). René Maître, Paris, sei für seine Nachforschungen herzlich gedankt.
