Jean François-Marie Huet-Villiers
Dame mit Blumenkorb
Beim Arrangieren eines Blumenstraußes ließ sich diese unbekannte Dame von Huet-Villiers darstellen. Sie wendet das Gesicht zum Betrachter hin, als wenn sie ihn dazu einladen möchte, das Geheimnis der ungewöhnlichen Auswahl der Blumen - Mohn, Rosen, Flieder und roter Klee - zu deuten. Der Empfänger der Miniatur, wahrscheinlich der Geliebte der Dame, wird sich über die Rosen freuen, die Liebe symbolisieren und den Mohn als Hinweis auf die zarte Zerbrechlichkeit der Dame verstehen. Flieder und Klee mögen auch ihre Bedeutung gehabt haben, bleiben dem heutigen Betrachter aber rätselhaft. 1
Huet-Villiers ist ein Meister im Verdeutlichen von Sensibi-lität und Zartheit. In den affektlosen Gesichtern sind es fast ausschließlich die Augen, die wie Spiegel empfindsamer Seelen den Personen Leben verleihen. Die Farben meiden grelle Kontraste, bevorzugen Grau und Blaugrün und steigern dadurch ihrerseits die sphärische Bildwirkung.
Die beiden Porträts des Künstlers aus der Sammlung Tansey stehen ganz am Anfang des 19. Jahrhundets und atmen noch den Geist der naturverbundenen Empfindsamkeit, wie sie in den Ideen Rousseaus zu finden ist.
B. P., J. S. O.
1 Die Blumensymbolik wurde im 19. Jahrhundert sehr beliebt und entwickelte sich zu einer regelrechten "Sprache" der Blumen. Flieder und die Blüten des Klees gehören allerdings zu den weniger verbreiteten Pflanzendarstellungen. Das Kleeblatt hingegen galt als Symbol der Dreifaltigkeit, der Lebenskraft und des Liebeszaubers sowie der in Demut harrenden Liebe.


