Jean Daniel Welper, nach Nattier
Charlotte-Godefride-Elisabeth de Rohan-Soubise und Louis-Joseph de Bourbon, Prince de Condé
Charlotte-Elisabeth Godefried de Rohan-Soubise (1737-1760) und Louis-Joseph de Bourbon, Prinz von Condé (1736-1818), konnten in Welpers Doppelbildnis kürzlich durch Vergleich mit Bildern des französischen Portraitisten Jean-Marc Nattier erkannt werden¹ - mehr noch: Während das Herrenbildnis in verschiedenen Kopien nach Nattier existiert, kannte man das Portrait der Dame durch diesen Maler bisher nicht, da es verloren ist. Insofern kann man anhand dieser Miniatur das Werk Nattiers ergänzen. Aber auch im Werk von Jean Daniel Welper nehmen diese Miniaturen eine Schlüsselposition ein, da sie zu den wenigen gehören, die Welper signiert hat und die somit als Referenz für weitere Zuschreibungen dienen können.
Die dargestellten Personen sind, dem Typus des repräsentativen Portraits entsprechend, in Galarobe dargestellt, zu der die zarten, noch kindlichen Gesichtszüge in merkwürdigem Kontrast stehen. Der junge Prinz, einziger Sohn des Herzogs Louis Henri de Bourbon und der Prinzessin Karoline von Hessen-Rheinfels, war ein besonderer Günstling König Ludwigs XV. Bereits mit fünfzehn Jahren zum Großmeister des königlichen Hauses ernannt, trat er knapp zwanzigjährig in die Armee ein, um am Siebenjährigen Krieg teilzunehmen.
¹ Vgl. die Kopie des Herrenbildnisses in Versailles, Inv.-Nr. MV 4464 (abgebildet in: Xavier Salmon, Jean-Marc Nattier. Ausstellung in Versailles vom 26.10.1999 bis 31.01.2000, Paris 1999, S. 250, Abb. 7). Von der Dame gibt es ein Gemälde von Jean-Marie Ribou, worin die Ähnlichkeit mit Welpers Portrait auffällt. Vgl. Salmon, Jean-Marc Nattier, a. a. O., S. 250, Abb. 8.


