Rechts

Ord.Nr.: 10.995
Kat.Nr.: 2008-98

Auf den Leuchttisch legen

Johann Matthias Graf von der Schulenburg

um 1730
oval: 7.80 cm x 5.50 cm
Goldkapsel des späten 18. Jahrhunderts mit blau-weißer Emailverzierung

Die Identität des Herrn in diesem qualitativ hochrangigen Miniaturporträt war lange Zeit ein Rätsel. Die Ähnlichkeit des Dargestellten mit Prinz Eugen von Savoyen führte dazu, dass er zeitweise mit diesem berühmten Feldherrn verwechselt wurde, obwohl dessen höchste Auszeichnung, der Orden vom Goldenen Vlies, in dieser Miniatur nicht zu sehen ist. 1 Bei den Recherchen zum vorliegenden Katalog stellte sich heraus, dass hier Johann Matthias Graf von der Schulenburg (1661-1747) dargestellt ist. Er trägt korrekterweise auf seiner Rüstung das Schulterband und das Brustkreuz des Preußischen Schwarzen Adler-Ordens. Vergleiche mit gesicherten Bildnissen dieses Feldherrn bestätigen diese Benennung.
Johann Matthias Graf von der Schulenburg (1661-1747) war der Sohn des kurbrandenburgischen Geheimrats und Kammerpräsidenten Gustav Adolf von der Schulenburg. Er schlug nach einem Mathematikstudium in Saumur die Militärkarriere ein und erzielte darin im Laufe seines langen Lebens etliche Erfolge. So kämpfte er unter anderem im Dienst des Herzogs von Braunschweig, als Generalmajor im Dienst des Herzogs von Savoyen, als Generalleutnant in der Armee König Augusts II. von Polen und schließlich als Feldmarschall im Dienst der Republik Venedig. In dieser Funktion gelang Schulenburg die erfolgreiche Verteidigung der Insel Korfu gegen die Türken, eine Ruhmestat, für die Venedig ihn zum Dank mit einem Marmorstandbild auf der Insel Korfu ehrte und auf die Vivaldi 1716 ein Oratorium komponierte. Nach seinem Tod 1747 wurde ihm im Arsenal von Venedig ein Grabmal errichtet. Kaiser Karl VI. verlieh Schulenburg den erblichen Titel eines Reichsgrafen und die Serenissima den Titel eines Feldmarschalls auf Lebenszeit. Vom befreundeten Venezianer Maler Giovanni Battista Piazzetta beraten, legte er in den letzten beiden Lebensjahrzehnten eine über 900 Werke umfassende Kunstsammlung an. Seine Bibliothek ist heute Teil der Herzog-August-Bibliothek in Wolfenbüttel.

B.P.


1 In einer identischen Miniatur aus der Sammlung Rothschild und Rosebery, Mentmore, verkauft bei Sotheby' s London, 11. Februar 1999, Nr. 96, ist der Dargestellte als »A nobleman, called Prince Eugène of Savoy-Carignan (1663 -1736)« bezeichnet.