Rechts

Ord.Nr.: 11.048
Kat.Nr.: 2005-102

Auf den Leuchttisch legen

Dame mit Zeichenstift

um 1792
oval: 7.30 cm x 5.90 cm
späterer vergoldeter Metallreif

Den linken Arm auf eine Tischplatte mit einer Zeichenmappe gestützt, in der rechten Hand einen Stift mit schwarzer und weißer Mine haltend, sitzt eine junge Dame in blauem Kleid auf einem Stuhl und schaut den Betrachter dieser Miniatur ruhig und mit ernstem Blick an. Sie ist im Begriff, mit weißer Kreide auf grauem Papier das Profil eines Herrn zu zeichnen.
Es könnte sich bei der Dargestellten um eine der vier Töchter des Herzogs Karl von Mecklenburg-Strelitz handeln. 1 In Frage kämen Charlotte (1769-1818), die im Alter von vierzehn Jahren mit Herzog Friedrich I. von Sachsen-Hildburghausen verheiratet wurde, und Therese (1773-1839), die sechzehnjährig den Prinzen Karl Alexander von Thurn und Taxis heiratete. Da die Dargestellte recht demonstrativ ihre linke Hand mit dem Ring zeigt, könnte dies ein Hinweis auf eine der beiden Schwestern sein, die im Zuge der ambitionierten Heiratspolitik des Vaters früh verlobt wurden. 2 Für Therese als die Porträtierte könnte ihre Darstellung beim Zeichnen sprechen, denn sie war eine außergewöhnlich kluge und gebildete und zugleich emanzipierte Frau, die sich ein unabhängiges Leben am Hofe einrichtete. 3
Die Miniatur wurde von dem sehr begabten, aber wenig bekannten Miniaturisten Monmergué gemalt, der um 1790 in Frankreich tätig war. 4

J.S.O.


1 Dem ungenannt bleiben wollenden Herrn sei auch für diesen Hinweis gedankt.

2 Die beiden weiteren Töchter des Mecklenburger Herzogs, Luise und Friederike, wurden mit dem preußischen Kronprinzen Friedrich Wilhelm (1770-1840) und seinem Bruder Ludwig (1772-1796) verheiratet.

3 Vgl. Gersdorff 1997. Der - allerdings nicht ungewöhnliche - Rosenschmuck im Haar könnte in diesem Zusammenhang ein Hinweis auf Prinzessin Therese sein, die in der Familie »Röschen« genannt wurde. Mit dem blauen Kleid und der weißen Schärpe mit roten Streifen zeigt sie die Farben Mecklenburgs.

4 Ein Herrenbildnis von diesem Künstler im Historischen Museum Bern zeigt dieselbe auffallende Grünschattierung des Gesichtes.