Joseph Marinkelle
Bildnis einer Dame
Die junge Dame in rosafarbenem Kleid trägt einen hermelinbesetzten blauen Umhang, der farblich zum blauen Band an der Spitzenhaube passt. Ihr Halsschmuck entspricht der Mode der Zeit: Eine am Hals eng anliegende Perlenkette, die hinten mit einer weiß-schwarzen Schleife zusammengehalten wird. Vorn ist eine kleinere schwarze Schleife festgebunden, die an schwarzen Bändern ein edelsteinverziertes Schmuckstück trägt. Die schwarze Zierde, hier kein Hinweis auf Trauer, bildet einen wirkungsvollen Kontrast zur hellen Haut des Dekolletés. 1
Marinkelle gehörte im Holland des dritten Viertels des 18. Jahrhunderts neben Bruyninx (vgl. Kat.-Nr. 2008-6) und Le Sage zu den beliebtesten Miniaturmalern. Der in Rotterdam, Den Haag und zuletzt in Amsterdam tätige Künstler arbeitete mit transparenten Farblagen, worauf die Schatten in sehr regelmäßigen feinen Punkten und Strichen gesetzt sind, eine Technik die keinerlei Verwandtschaft mit der in Frankreich üblichen Miniaturmalerei besitzt, sondern Einflüsse aus England erkennen lässt.
B.P.
1 Ein Bildnis einer Dame in gleicher Pose und mit einer ähnlichen Kette, rückseitig aber mit einer weißen Schleife geknotet und ohne den Anhänger, malte Marinkelle 1769 (Historisches Museum Den Haag).
2 Diese Technik wird in Miniaturmalanleitungen als zeitaufwändig, aber einfach beschrieben, im Unterschied zu einer Malweise mit flächig aufgetragenen Gouachefarben, die zwar schneller, aber auch schwieriger sei.
