Jean-Baptiste Lemort
Dame in blau-weißem Kleid
Die Dame in blauem Mieder mit Ärmeln und Fichu aus weißem Tüll verrät nichts über die menschlichen Tragödien, die sich zur Zeit der Entstehung dieser Miniatur in Frankreich abspielten. Ihr Lächeln gilt einer geliebten Person, dem Empfänger der Miniatur, und dieses individuelle Glück - das emotionale Band zu einem Menschen - scheint über politische Turbulenzen hinweg zu tragen.
Die Miniatur zeigt charakteristische Merkmale der Malweise Lemorts: orangebraune Schatten in Gesicht und Haar, stellenweise kantige Fältelung der Gewebe und scharfe Höhungen in Gouachefarbe. 1 Die flinke Pinselführung bei der Wiedergabe des Kleides mit den keck gemalten Lichtern erinnert an die Malweise Halls, die trotz neuer Strömungen für viele französische Miniaturisten bis ans Ende des 18.Jahrhunderts vorbildlich blieb.
B.P.
1 Das bei Schidlof abgebildete Schlüsselwerk Lemorts, signiert und 1787 datiert, befindet sich im Museum Briner und Kern, Schenkung Kern, Winterthur. Ein weiteres Herrenbildnis in dieser Sammlung kann ihm zugeschrieben werden (ohne Inv.-Nr.). Ein Damenbildnis von etwa 1785 aus der Sammlung des Hauses Oranien-Nassau wurde vermutlich ebenfalls von Lemort gemalt (vgl. Schaffers-Bodenhausen und Tiethoff-Spliethoff 1993, S. 469, Nr. 678, verzeichnet als »unknown artist«), ebenso zwei Damenporträts im Musée des Arts-Décoratifs, Paris (Inv.-Nr. 39773 und 39568), ein Herrenporträt im Musée des Beaux-Arts, Lyon (Inv.-Nr. B847) und eines im Musée Lorrain, Nancy (vgl. Pupil 1993, Kat.-Nr. 1, irrtümlich Advinent zugeschrieben).

