François-Joseph Desvernois
Frau von Frisching-von Wattenwyl
Obwohl vom Künstler dieser Miniatur zahlreiche Werke bekannt sind, ist sein Name noch immer nicht zweifelsfrei geklärt. 1 Mit großer Wahrscheinlichkeit wurden sie aber von François-Joseph Desvernois gemalt, einem aus Lons-le-Saunier gebürtigen Künstler, der sich ab etwa 1787 für ein gutes Jahrzehnt in der Schweiz etablierte. Ungefähr zwischen 1795 und 1800 scheint der Künstler in Bern tätig gewesen zu sein, hier malte er vermutlich das Bildnis der Frau von Frisching,
geborene von Wattenwyl. 2 Danach reiste der Künstler weit herum: Man findet seine Spuren in Italien, Deutschland, Frankreich und sogar in Schweden. 3
Auffallende Charakteristika der Desvernois zugeordneten Werkgruppe sind die freie lineare Vorzeichnung in grauem Stift und die eigentümliche Augenform. Diese trug dem Miniaturisten den Beinamen «Meister der Miniaturporträts mit melancholischem Blick« ein. Nach neueren Erkenntnissen ist der Meister dieser Werke auch der Autor der »Profilporträts in der Art von Bourgeois«, 4 von denen sich in der Schweiz ebenfalls eine große Zahl befindet, und die dieselbe freie Unterzeichnung in grauem Stift und ähnlich flauschige, in Aquarellfarben gestrichelte Haarmassen zeigen.
B.P.
1 DieWerkgruppe ist besprochen bei B.Pappe, »Les miniaturistes de l' aristocratie bernoise«, in: Genoud 1999, S. 88-89 und S.102.
2 Von Frisching und von Wattenwyl sind bernische Adelsgeschlechter.
3 Desvernois malte beispielsweise die Prinzessin Charlotte de Rohan-Rochefort (zugeschrieben, Musée Condé, Chantilly, Inv.-Nr.OA 413) und König Gustav IV. Adolf von Schweden (Nationalmuseum Stockholm, signiert und datiert 1803, Inv.-Nr. NMB 2196). Eine Serie seiner Werke, die er am hessen-darmstädtischen Hof ausführte, ist abgebildet in Biermann und Brinckmann 1917, Nr.225-228.
4 Diese wurde bislang als von einem anderen Künstler gemalt betrachtet. Vgl. B.Pappe (wie Anm.1), S. 88 und S.102.
