George Chinnery
Dame in weißem Kleid
Der Maler und Miniaturist George Chinnery führte ein bewegtes Leben. Von England aus ging er nach Irland, 1802 nach Indien und lebte von 1825 bis zu seinem Tod 1852 in China. 1 Das Porträt der Dame in weißem Kleid gehört zu den frühen, noch in England entstandenen Arbeiten des 1774 geborenen Künstlers. Chinnery malte hier ganz in dem damals gefragten leichten und »impressionistisch« wirkenden Stil: Die Töne sind duftig, fast blaß. Die Dargestellte und der Hintergrund heben sich in ihrer Farbigkeit nur wenig voneinander ab. Kleid und Wolken, Haarband und das Blau des Himmels korrespondieren miteinander, selbst das Haar der Dame ist auf die blaßgraue Farbskala abgestimmt.
Etwa ab 1790 wurde in England ein heller Himmel als Hintergrund sehr populär und fand bald auch auf dem Kontinent Nachahmung. Chinnerys Malstil zeigt nicht nur hierin, sondern besonders auch in der skizzenhaften, wie »hingehaucht« wirkenden Anlage des Porträts Einflüsse von Richard Cosway (vgl.Kat.-Nr. 2005-33). Die tiefen Augenlider und ein gewisser resignativer Zug um die Mundwinkel sind für mehrere Arbeiten dieses Künstlers charakteristisch. 2
J.S.O.
1 Vgl. die Angaben zur Biographie bei Berry-Hill 1963 sowie bei Conner 1993.2 Vgl. beispielsweise Foskett 1972, Tafel 44, Nr.133135, und Tafel 45, Nr. 136.
