Rechts

Ord.Nr.: 10.693
Kat.Nr.: 2008-74

Auf den Leuchttisch legen

Lady Brown

1738
oval: 7.50 cm x 6.10 cm
vergoldeter Metallreif

Die auf der Rückseite der Miniatur als Lady Brown bezeichnete Dame wurde von dem Staffeleimaler Van Loo porträtiert und von Serre ins Miniaturformat umgesetzt. Dies war eine weit verbreitete Praxis: Der Staffeleimaler fertigte ein großformatiges Porträt an, und der Miniaturist malte davon eine oder auch mehrere Kopien im Miniaturformat, was dem Modell erneutes Sitzen vor dem Künstler ersparte. 1
Welcher der Maler der Van Loo-Dynastie die Vorlage dieser Miniatur gemalt hat, ist ungewiss. In Frage kommen Carle Van Loo (1705 -1765, vgl. Kat.-Nr. 2008-10), sein Bruder Jean-Baptiste (1684 -1745) und sein Neffe Louis Michel (1707 bis 1771, vgl. Kat.-Nr. 2008-144 und 2008-158). Am ehesten wahrscheinlich ist aber Jean-Baptiste van Loo, der von 1737 bis 1742 in England lebte und hier etliche Porträts schuf. Für die englische Nationalität der Dame sprechen nicht nur der Name, sondern auch das ungepuderte Haar (vgl. Kat.-Nr. 2008-31, 2008-49, 2008-64, 2008-73 und 2008-92). In England war die natürliche Haarfarbe in Adelskreisen beliebter als auf dem Kontinent, wo unabhängig vom Alter der Dargestellten die Haare mit Puder weiß gefärbt wurden.
Der Genfer Künstler Jean Adam Serre malte sowohl in Wasserfarben als auch in Email. Seinen Freund und Lehrer Liotard, dessen Lebensdaten mit denen Serres beinahe übereinstimmen, begleitete er als treuer Mitarbeiter auf seinen Reisen durch Europa.

B.P.


1 Die meisten Miniaturmaler porträtierten das Modell aber nach dem Leben. Emailmaler hingegen arbeiteten wegen der komplizierteren Herstellungstechnik oft nach einer Vorlage.