Rechts

Ord.Nr.: 11.099
Kat.Nr.: 2005-21

Auf den Leuchttisch legen

Dame mit Garnknäueln

1793
kreisrund: 8.00 cm x 0.00 cm
gelber Metallreif

Eine junge Dame in weißem Kleid mit einem breiten blauen Seidengürtel sitzt an einem zierlichen Tisch mit Marmorplatte
in einem Park. Hinter ihr begrenzt eine Holzpalisade dichtes Buschwerk, und links im Bild läßt der Ausblick in der Ferne ein Dorf und dahinter eine lange Hügelkette erkennen, ein Landschaftsbild, wie man es am Genfer See - der Heimat des Künstlers - antrifft. Die Dame hält in ihrer Linken ein Garnknäuel und dessen Faden mit der Rechten. Auf dem Tisch liegen außerdem ein ledergebundenes Buch und ein Körbchen, worin eine Schere und ein weiteres Knäuel zu erkennen sind. Die Dame ließ sich aber nicht, wie es auf den ersten Blick scheint, bei weiblicher Handarbeit darstellen, sondern vermittelt durch ihre Tätigkeit dem Adressaten des Bildnisses eine Botschaft: Die beiden Garnknäuel sind eigenartigerweise durch den Faden miteinander verknüpft. Die Verbundenheit der Dame mit dem Empfänger der Miniatur wird dadurch bildlich zum Ausdruck gebracht. Halten die Hände Knäuel und Faden aber nun, als wolle die Dame den Empfänger fragen, ob er etwa den Faden durchschneiden, also die Verbundenheit auflösen wolle? Oder will sie gerade auf das Verbindende hinweisen? Ähnlich wie die Miniatur »Dame am Liebesaltar« von Sené (Kat.-Nr.2005-133) vermittelt Bouviers Porträt dem Empfänger die Hoffnung, diese Liebe möchte von Dauer sein.
Pierre Louis Bouvier, Schüler von Fabre und Vestier, zählt zusammen mit Arlaud-Jurine, Fabre, Ferrière und Sené zu den bedeutenden, auf Elfenbein malenden Genfer Miniaturisten des späten 18.Jahrhunderts. Seine Werke sind vielfältig konzipiert, präzise gezeichnet und sehr fein und detailreich gemalt. Sie zeigen nicht nur in der Wiedergabe des Kopfes des Modells, sondern auch in der Darstellung von Kleidern, Händen und Hintergrund eine außerordentliche Meisterschaft.

B.P.