Conti
Dame mit Porträtminiatur an schwarzer Schleife
Für dieses Damenporträt wählte der Miniaturist Conti 1 eine ungewöhnliche Darstellung. Der Hintergrund ist nur vage angedeutet, und die Farben sind wie durch einen grauen Schleier nur zu erahnen. Möglicherweise wölbt sich hier ein dunkelroter Vorhang über einem hellen Rückenpolster. Das Kleid und die Haut der davor stehenden Dame heben sich dafür um so heller ab und leuchten aus dem Dunkel des Hintergrundes heraus. Sie trägt in der rechten Hand das mit
Perlen eingefaßte Miniaturporträt eines Herrn, vielleicht des Adressaten ihres Bildnisses, und schaut den Bildbetrachter
an, als wolle sie ihn ihrer Verbundenheit und ihrer Treue versichern.
Auch die zum Herzen weisenden Finger unterstützen diesen Eindruck.
Andererseits könnte die schwarze Schleife, an der sich das Bildnis befindet, ein Hinweis auf eine verstorbene Person sein, möglicherweise auf den verstorbenen Ehemann der Dame, den sie auf diese Weise mit in das Porträt aufnimmt. In diesem Falle mag die Miniatur zur Erinnerung an eine den beiden Dargestellten nahestehende Person, zum Beispiel ihr Kind, angefertigt worden sein. Das Porträt wäre dann in zweifacher Hinsicht ein Zeugnis der persönlichen Bedeutung von Miniaturen, denn auf diese Weise wäre das Paar in einem Bildnis vereint, und es signalisierte Treue über den Tod hinaus.
J.S.O.
1 Conti ist ein in Künstlerlexika nicht erfaßter Miniaturist vermutlich italienischer Herkunft. Ein ebenfalls mit »Conti« signiertes Herrenbildnis von 1804 befindet sich in der Sammlung des Musée Lorrain, Nancy, Inv.-Nr.: M.20.32, abgebildet bei Pupil 1993, S.59, Nr. 52. Es zeigt jedoch außer einer generellen Blässe und dunkel hervorgehobener Augenbrauen keine Ähnlichkeit mit dem vorliegenden Damenbildnis. Die Miniatur trotz abweichender Signatur dem Werk von Nicolas-Jacques Conté (17551805) zuzuordnen, erscheint wenig überzeugend. Conté, der Erfinder der nach ihm benannten Zeichenstifte, war Schüler von Greuze und Hall.
