Rechts

Ord.Nr.: 10.366
Kat.Nr.: 2002-65

Auf den Leuchttisch legen

Dame in weißem Kleid mit gelben Bändern

1812
oval: 13.50 cm x 9.70 cm
originaler vergoldeter Metallreif

Als Isabey seiner Zeichenschülerin Marie-Louise, seit 1810 Napoleons Gemahlin, eine Halskette mit von ihm gemalten Miniaturen von Familienmitgliedern des Joachim Murat zeigte, war die Kaiserin davon so begeistert, daß sie ähnliche von ihren Verwandten in Wien zu haben wünschte. Dies gab den Ausschlag für eine gemeinsame Reise in die Heimat der Kaiserin. Im Sommer 1811 besuchte Isabey zu diesem Zweck ein erstes Mal Wien, 1812 dann noch ein zweites Mal. 1 Isabey schuf während dieses Aufenthalts seine ersten großformatigen Miniaturen in Aquarell auf Papier. Sie stellen eine eigentümliche Neuerung der Miniaturmalerei dar und gehen Hand in Hand mit Isabeys Entwicklung des luftigen, schlei-ergeschmückten Damenbildnisses, wie er es in den darauffolgenden Jahrzehnten in unzähligen Varianten malte. Isabey zeigte sich darin als einfühlsamer Meister des weiblichen Porträts. Er war aber auch ein phantasievoller Modeschöpfer, denn wohl kaum eine Dargestellte trug während den Porträtsitzungen den im Bild gezeigten Tüllschmuck; die Stoffbahnen hätten im übrigen ohne Wind ihre Bauschung nicht erlangen können.

Das Damenbildnis der Sammlung Tansey entstand 1812 in Wien und gehört damit zu den frühesten Porträts dieser Art. 2 Anders als in den späteren Damenporträts, wo die Schleier das Modell rein dekorativ umgeben, werden hier die Tüllschleier noch glaubhaft vom Wind erfaßt und aufgebauscht. Der heutige Betrachter mag über Isabeys Drapierungen staunen und die Bildnisse manieriert oder süßlich finden. In ihrer Zeit galten sie als sehr gelungen, und Ähnlichkeit, Anmut und Grazie der Darstellungen wurden hoch gelobt. 3

B. P.


1 Die 16 Porträts der kaiserlichen Familie wurden bereits 1812 am Pariser Salon ausgestellt.

2 Ein fast identisches, aber gänzlich von Wolken umgebenes Damenbildnis wurde 1912 in der Versteigerung der Sammlung Dolfuss verkauft.

3 Vergleiche die lobenden Zitate von Zeitgenossen Isabeys, gesammelt bei Basily-Callimaki 1909, S. 99-100, S.119, S.172-174.