Herr in dunkelblauem Mantel vor Wolkenhimmel
Die Weite des wolkigen Himmels und der in die Ferne gerichtete Blick assoziieren mit dem Dargestellten Mut, Energie und Abenteuerlust. Diese Tugenden, in erster Linie bei Männern gesucht, wurden besonders bei hohen Militärangehörigen geschätzt - auch Napoleon wurde von Isabey in ähnlicher Weise gemalt.
Das Herrenbildnis der Sammlung Tansey gehört zu einerganzen Reihe von Porträts, die der Künstler im ersten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts in englischer Manier vor wolkigem Himmel malte. 1 Sie stellen eine Übergangsphase zwischen den Porträts vor braunschwarzem Grund dar, wie er sie in den neunziger Jahren des 18. Jahrhunderts bevorzugte, 2 und den Großformaten auf Papier ab etwa 1811.
Da Isabey zur Entstehungszeit der Miniatur zum intimen Freundeskreis von Joséphine in Malmaison gehörte und mit zahlreichen, sehr unterschiedlichen gestalterischen Aufgaben betraut war, 3 hatte er für Miniaturporträts nur beschränkte Zeit zur Verfügung. Es ist deshalb anzunehmen, daß der Dargestellte entweder zum Freundeskreis Isabeys gehörte oder aber ein bedeutender Bekannter Napoleons war.
B. P.
1 Eine formatgleiche Miniatur eines Herrn vor Wolkenhimmel, in fast identischer Kapsel, wurde bei Sotheby' s in Genf im Mai 1981 verkauft. Die stufenlosen Übergänge vom Himmelblau zu den Wolken ereichte Isabey, indem er den Hintergrund auf der Elfenbeinblattrückseite malte.
2 Erste Porträts vor Wolkenhimmel in Aquarellfarben malte Isabey bereits um 1795.
3 Isabey wurde unter anderem mit künstlerischen Aufgaben im Zusammenhang mit den Feierlichkeiten anläßlich der Krönung Napoleons 1804 beauftragt.







